Obstbau & Gartenbau

Apfelsorten

 Einleitung      

Im folgenden werden einige Elemente beschrieben, die in einem  naturgemäßen Obstgarten vorkommen sollten. Ihr Zusammenwirken wird erläutert und es wird gezeigt was man tun kann, um in seinem Garten einen Lebensraum für viele Bewohner zu schaffen. Solch ein Biotop nützt gleichzeitig dem Menschen, denn es können gesunde Früchte reifen und Schädlingsprobleme werden ohne Giftspritze gelöst.

Bodengesundheit

Das Rind und der Regenwurm, so gegensätzlich diese Kombination sein mag, sind beides wichtige Partner unserer Obstbäume. Und zwar an ganz zentraler Stelle: Bei der Bodengesundheit.

“Nicht die Pflanze ist krank, sondern der Boden auf dem sie wächst”, ist sinngemäß die Aussage Rudolf Steiners, einer der großen Pioniere des biologischen Landbaus. Das heißt also, es kommt nicht darauf an, an Krankheitssymptomen der Bäume herumzudoktern, sondern darauf, die Lebensgrundlage, den Erdboden  gesund zu machen.
Und dazu sind die Ausscheidungen der Rinder in besonderem Maße geeignet, kein anderer Mist ist so ausgeglichen und so wirkungsvoll. Kein anderes Tier kaut das Futter so intensiv, arbeitet es so gut durch. In den Mägen dieses Wiederkäuers wird das Gras, das die Kühe gefressen haben, mit organischen Verbindungen enzymatischer Art angereichert, die später im Boden im Zusammenwirken mit dem Regenwurm direkt die Bodenfruchtbarkeit bereichern. Rinderdung ist antiseptisch, in Weltgegenden, in denen die Menschen zu arm sind, sich Pflaster leisten zu können, tun sie sich Kuhfladen auf offene Wunden.
Für die praktische Anwendung ist es am sinnvollsten, den Stallmist erst zu kompostieren und dann später auf die Baumscheibe aufzubringen. Hier kann er dann von den Würmern direkt  verarbeitet werden. Sie mischen diese organische Masse mit den mineralischen Bodenbestandteilen und reichern sie mit körpereigenen Substanzen an, so dass ein Humus entsteht, der alle für den Obstbaum wichtigen Nährstoffe und Kräfte bereitstellt. Die Würmer durchwühlen die Erde unablässig, solange der Mensch sie immer “füttert”, dafür sorgt, dass  genügend organische Substanzen da sind, die sie verarbeiten können. Das kann im Hausgarten z. B. Rasenschnitt sein, der nach jedem Mähen dünn auf die Baumscheibe gestreut wird. Da es hier auch schwierig sein wird, kompostierten Mist zu beschaffen, kann man sich im Gartenhandel pelettierten Rinderdung besorgen.Zusammenfassend kann man sagen: Durch die Beschaffenheit der Erde, die der Regenwurm erzeugt, wenn er die mitgefressenen Bodenbestandteile wieder ausgeschieden hat, werden die für den Boden nützlichen Mikroorganismen gefördert und die bodenfeindlichen eingedämmt, z. T. sogar vernichtet.

Regenwürmer

  • belüften den Boden,
  • verbessern die Wasserhaltefähigkeit (Schwammwirkung der Gänge);
  • verbessern die Bodenstruktur,
  • ermöglichen mit ihren Gängen den Wurzeln ein tieferes Eindringen in den Boden, erleichtern den Pflanzen damit die Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen,
    durchmischen Bodenteilchen und tragen damit zur Bildung der wertvollen Ton-Humus-Komplexe bei, deren Nährstoffe auch von starkem Regen nicht ausgewaschen werden,
  • wandeln Gartenabfälle mit Hilfe von Mikroorganismen in Pflanzennährstoffe um. Wurmkot enthält siebenmal mehr Phosphat, elfmal mehr Kali, fünfmal mehr Stickstoff als die umgebende Erde.                        

Aus den Kuhfladen stellt man im biologisch-dynamischen Obst- und Gartenbau einen seit langem bewährten Baumanstrich her, der den ganzen Baum über die Rinde vitalisiert und gesundheitlich stärkt.
Dazu kratzt man mit einem speziellen Rindenschaber die losen Borken ab, hat dabei schon mal alles was an Schädlingen und Schädlingseiern in der Rinde versteckt war, entfernt und trägt dann die mit Wasser streichfähig gemachte Masse, zu gleichen Teilen aus Kuhfladen und Lehm gemischt, auf. Sie wirkt direkt auf das Kambium, diese nicht einmal einen Millimeter starke Schicht, die für das Wachstum des ganzen Baumes sorgt.  So wird ganz direkt gedüngt, ohne den Umweg über die Wurzel. Wobei „Düngung“ im biologisch-dynamischen Zusammenhang immer Belebung, Vitalisierung, Gesundung bewirkt. Und nicht mehr Zuwachs an Masse, wie es im konventionellen Anbau bei Verwendung der NPK-Dünger (Stickstoff, Phosphor, Kali) geschieht.


Bienen und Vögel als Partner der Obstbäume

Untrennbar mit dem Obstbaum verbunden sind die Bienen. Eine reiche Ernte ohne sie ist gar nicht möglich. Aber auch ihre wild lebenden Verwandten, die Hummeln und die Wildbienen, leisten einen erheblichen Beitrag zur Bestäubung der Blüten und sind wichtige Partner der Bäume. Besonders bei kühlem Wetter während der Blütezeit sind es die Hummeln, die die Pollen von einem Baum zum anderen tragen. Schon Temperaturen von sieben Grad Celsius reichen ihnen um auszufliegen. Für die Bienen müssen es mindestens zwölf Grad sein.
Die Wildbienen, die meist Einzelgänger sind, fliegen in einem Zeitraum von April bis September. Über 400 Arten dieser meist unscheinbaren Insekten kommen bei uns vor.  An Stellen, die von Pflanzenwuchs frei sind, graben verschiedene Arten von Sandbienen ihr Nest.

Bild: Rotpelzige Sandbiene Die Löcher im Totholz an alten Bäumen besiedeln unter anderem die Garten-Wollbiene, die Blattschneiderbiene und die Blauschwarze Holzbiene, um nur die bekannteren zu nennen. Sonnige Lehmwände werden unter anderem von diversen Mauerbienen bevölkert. Finden sie genügend Plätze für ihren Nestbau und Nahrung an Blumen, blühenden Sträuchern und Bäumen, lässt sich die Bestäubung noch weiter optimieren. Zumal sie bei regnerischen oder kühlen Witterungsverhältnissen während der Blütezeit der Obstbäume, anders als die Honigbiene, auch  noch fliegen können. Mindestens sechs Mal muss die einzelne Obstblüte erfolgreich von einem Bestäuberinsekt besucht worden sein, damit sich eine schöne Frucht ausbilden kann.
Die Honigbiene hat die Eigenschaft bei einem Sammelflug, um Nektar oder Pollen zu ernten, immer nur Blüten einer bestimmten Art anzufliegen. Nur Apfelbäume, nur Birnen oder nur Raps. Diese so genannte Blütenstetigkeit macht ihre Bestäubungsleistung so effektiv, weil der Apfelpollen, den sie beim Nektarsammeln mitnimmt, auch zu 100 % wieder auf einen Apfelbaum gebracht wird und dort die Blüten befruchten kann.

Aber alle Bienenarten leiden stark unter Umweltgiften, besonders solchen aus der Landwirtschaft, und an Nahrungsmangel. Die Honigbienen sind zusätzlich durch die Varroa-Milbe stark gefährdet und durch eine neue Generation von Pestiziden, den Neo-Nicotinoiden. Alles zusammen führt jährlich zu hohen Verlusten bei den Bienenvölkern. Nahrungsmangel entsteht durch die immer weiter fortschreitende Verarmung der Wiesensäume. Blütenpflanzen werden von den Gräsern immer stärker zurückgedrängt, als Folge zu intensiver Düngung. Auf dem Lande findet sich nach der Lindenblüte gegen Mitte Juli kaum noch Tracht. Immerhin gibt es seit kurzem ein erstes Umdenken, Landwirte bekommen die Anlage von Blühstreifen gefördert, in Städten sät man an Straßenrändern oder in Parks Blumenmischungen aus, die Nahrung für die honigsaugenden Insekten bieten.
 Bild: Wildstauden am Gehölzrand     Jeder Besitzer eines Obstbaumes sollte sich daher überlegen, ob er nicht für die Bestäubungsleistung der Bienen etwas zurückgeben möchte: Freiwachsende Blühsträucher an der Grundstücksgrenze,  statt der streng geschnittenen Hecke oder ein Beet mit blühenden Blumen. Kombiniert man einen Bodendecker, wie den Rosa-Storchschnabel geschickt mit Sommermargeriten, Phlox und verschiedenen Astern, kann man ein pflegeleichtes kleines Biotop schaffen, das Nahrung für die Honigsammlerinnen von Juni bis in den Herbst bietet.
Neben den für uns so nützlichen Insekten kommen im Garten allerdings auch solche vor, die wir nicht besonders mögen, der Blütenstecher und der Frostspanner. Die beiden sind ausgesprochene Obstbaumschädlinge. In einem intakten Biotop wird aber kein sogenannter Schädling zum Problem. Die wenigen Äpfel, die vermadet sind, und ein paar geschädigte Blütenknospen lassen sich immer verschmerzen. Denn andere Partner unserer Bäume sind auf diese Kerbtiere für ihre Ernährung und die Aufzucht der Jungen angewiesen: die Vögel.
Sie suchen die Blätter nach Schmetterlingsmaden ab oder, wie der Baumläufer, der Specht und der Kleiber, die Rinde. Sie fressen Schädlinge, Nützlinge und neutrale Arten, die den Hauptteil der Insektenpopulation zusammen mit Spinnen und Käfern stellen. Ein Meisenpärchen und die Brut,  die es zweimal im Jahr aufzieht, vertilgen im Laufe des Sommers bis zu einem Zentner Blattläuse. Dabei wird auch mancher Marienkäfer, selbst eifriger Blattlausjäger, darunter sein, das gehört zum natürlichen Kreislauf. Fatal ist es nur, wenn der Mensch mit der Giftspritze eingreift und damit die Läuse abtötet. Werden die  vergifteten Läuse an die Jungen verfüttert, kann das ganz schnell den Tod für die Küken bedeuten.
Um Vögel an den Garten zu binden, ist das Aufhängen von Nistkästen eine Möglichkeit, eine andere ein größeres dichtes Gebüsch, möglichst mit fruchttragenden Gehölzen. Die maßvolle Winterfütterung bei einer dichten Schneedecke und sehr kalten Temperaturen eine dritte.

Blumen

Spenden die Obstbäume auch reichlich Nektar und Pollen und somit „Treibstoff“ und „Aufbaufutter“ für ihre Partner aus der Insektenwelt, so doch zeitlich nur sehr begrenzt. Sollen die Bienen und ihre wildlebenden Verwandten dauerhaft versorgt sein, sollten Blumen und Gehölze vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst ein möglichst durchgängiges „Trachtband“ bereitstellen, also kontinuierlich Nahrung für die Insekten liefern.
Schneeglöckchen und Krokusse werden schon während der ersten kurzen warmen Mittagsstunden von den Bienen und den jungen Hummelköniginnen beflogen. Hat man verschiedene Sorten der Zwiebelblüher, lässt sich die Beobachtung machen, dass sie unterschiedlich stark frequentiert sind. Im Allgemeinen gilt für sie und alle anderen Blühpflanzen: Je stärker sie züchterisch beeinflusst sind (Großblumigkeit, farbliche Veränderungen an Blüten und Blättern), desto weniger Nektar und Pollen spenden sie. Sind die Blüten gar gefüllt, die Staubgefäße also in Blütenblätter umgewandelt, sind sie als Nahrungsquelle vollkommen unbrauchbar. Die hohen Dahlien sind ein Beispiel für Blumen, die zwar schön aussehen mögen, ökologisch aber kaum einen Wert haben.
Der Nektarfluss in den Pflanzen ist von der Tageszeit abhängig. Oft fließt er bei den höchsten Temperaturen um die Mittagszeit am stärksten, manchmal nur in den frühen Morgenstunden wie beim Buchweizen, sodass man nur dann einen regen Bienenflug beobachten kann.

 Bild: Dost und Margeriten ergänzen sich  




Auf dieser Internetseite  www.obstbau-umd-gartenbau.de gibt es unten links auf der Startseite einen Link zu einer Tabelle, die über 400 gute Bienenpflanzen auflistet. Mit Angaben über die Blütezeit, den Gehalt an Nektar (Honig) und Pollen und, für diejenigen, die selber aussäen, Angaben über Keimeigenschaften. Viele der aufgelisteten Wildstauden werden in unseren Gärten seltener kultiviert, sind aber gerade für die Wildbienen besonders interessant.

Sträucher

Die meisten heimischen Bäume sind gute Pollenspender und werden im Frühjahr stark beflogen, wenn die Bienen viel Brut aufzuziehen haben. Für den Siedlungsgarten sind sie aber meist zu groß. Anders die Sträucher. Sie sind nicht nur für die Insekten interessant, sondern auch für die Vögel, bieten ihnen Nahrung, Nistmöglichkeiten und Unterschlupf für die Nacht. Genau wie bei den Blumen gibt es solche, die ökologisch wertvoll, andere, die mehr oder weniger wertlos sind, wie die immergrünen Koniferen und alle gefüllt blühenden Sträucher. Die Blüte ist bei diesen  vom Züchter selektierten Sorten sicherlich prächtiger und länger anhaltend als bei der ursprünglichen Art aber sie liefern weder Honig noch Pollen und bilden keine Früchte, von denen sich die Vögel im Herbst und Winter ernähren können. Die sehr verbreitete Forsythie, die Bauernhortensien und auch verschiedene Schneeballsorten sind andere Beispiele für sterile Selektionen. Sofern sich der Garten im geschlossenen Siedlungsraum befindet, ist sicherlich nichts gegen Pflanzen fremder Herkunft einzuwenden, sind doch viele Gehölze aus Nordamerika oder Ostasien seit langem bei uns eingebürgert. Aber man sollte sich vergewissern, ob sie Früchte tragen oder nicht. Eine Liste, die insekten- und vogelfreundliche Sträucher aufweist, ist ebenfalls auf der oben genannten Website herunter zu laden.
Die schönste Weißdorn- oder Ligusterhecke nützt jedoch nur wenig, wenn sie ständig auf 1,80 Meter Höhe und 60 Zentimeter Breite geschnitten wird. Dann können sich keine Blüten und infolge dessen auch keine Früchte entwickeln. Man muss mindestens zwei Meter Breite einplanen, dann kann die Hecke frei wachsen. Jedes dritte oder vierte Jahr wird der Neuzuwachs eingekürzt, bei starkwachsenden Gehölzen in der Höhe eventuell öfter.
Am allerbesten für die Vögel ist jedoch ein dichtes Gebüsch aus fruchttragenden Sträuchern, 5 x 5 Meter im Minimum. Hat man selbst nicht so viel Platz, tut man sich mit dem Nachbarn zusammen. Dann finden auch der Zaunkönig und das zutrauliche Rotkehlchen einen Platz zum Brüten und alle Vögel sowie die Bienen reichlich Nahrung.

 

  • Bild: Die Amsel frisst die Felsenbirnen und verschont die gleichzeitig reifenden Kirschen

    Mehrarbeit?

    Sicherlich etwas mehr, aber rechnet man die Stunden zusammen, die man Woche für Woche mit dem Mäher über den Rasen fährt, und die Zeit für das Vertikutieren, Wässern und Düngen, hat man auch nicht weniger Arbeit. Von dem ersten Aufwand bei der Neuanlage einmal abgesehen, entspricht das etwa der Zeit, die man braucht, um eine naturgemäße Staudenpflanzung zu pflegen. Zunächst muss gut geplant sein, was zum Boden und zu den Belichtungsverhältnissen passt. Damit keine unerwünschten Pflanzen aufkommen können, sollte  man Stauden wählen,  die den Boden gut beschatten und nach zwei, drei Jahren einen dichten Teppich bilden.Gebüsche sind sogar noch weniger aufwändig. Die schwächer wachsenden Sträucher am Rand, die höher werdenden in der Mitte, brauchen sie nur alle paar Jahre einen Rückschnitt.
    Und man kann klein anfangen, mit wenigen Quadratmetern Stauden zum Beispiel. Viele haben einen so erheblichen Zuwachs, dass sie schon nach der dritten Vegetationszeit geteilt und zur Erweiterung des Beetes gebraucht werden können. Der naturgemäße Garten kann auf diese Weise ganz organisch heranwachsen.
    Von Wurzelunkräutern wie Giersch, Quecke oder der Ackerwinde muss ein Beet allerdings vorher frei gemacht worden sein. Das ist Mehrarbeit, die aber nur im ersten Jahr anfällt.


    Gewinn

    Gegenüber einem sterilen Garten besteht der Gewinn für etwas mehr Arbeit und geringe Mehrkosten in dem, was ein Biotop, einen Ort des Lebens ausmacht:


  • Der Bereicherung des Erscheinungsbildes durch Blüten und Schmetterlinge über die ganze Vegetationszeit.
  • Fruchtschmuck im Winter und eine Vielzahl an gefiederten Gästen.
  • Bedingt durch das ausgewogene Verhältnis von Nützlingen und Schädlingen kann man gesundes Obst aus eigenem giftfreien Anbau ernten.
  • Der Möglichkeit natürliche Zusammenhänge selbst zu beobachten und zu erkennen, besonders wichtig, wenn Kinder oder Enkelkinder im Haus sind.

Die Gründüngung im Herbst

Sind die Gemüsebeete abgeerntet und ist der Flor der frühen Sommerblumen verblüht, kann man die freien Flächen im Garten gut mit einer Gründüngung besäen. Sie wird nicht so üppig ausfallen wie im Frühjahr oder Sommer, dazu ist es einfach zu spät, aber für den Boden ist es sehr vorteilhaft, wenn er nicht ungeschützt in den Winter geht.
Liegt die Erde brach, können Wind und Wetter den schutzlosen Boden abtragen, verschlämmen oder auch austrocknen. Außerdem breiten sich zwangsläufig Wildkräuter aus, oft auch solche, die nicht so einfach wieder wegzubekommen sind wie Quecke, Winde oder Giersch. Eine Gründüngung beschattet den Boden und verhindert so, dass unerwünschte Pflanzen sich ansiedeln können. Die Wurzeln der Gründüngungspflanzen gehen bei einigen Arten weit in die Tiefe und erschließen so Bodenschichten, in die man mit dem Spaten nicht mehr kommt. Die Erde wird bis in den Unterboden hinein gelockert und ein sicherer Luftaustausch im Wurzelbereich der nachfolgenden Kulturpflanzen gewährleistet. Gleichzeitig wird für die Vielzahl von Bodentieren, allen voran dem Regenwurm, ein Nahrungsangebot bereit gestellt. Verbesserter Humusgehalt ist die Folge und damit ein ausgeglichener Nährstoff- und Wasserhaushalt. Das Land wird durch die ausgesäten Pflanzen gedüngt.
Bei den Gründüngungspflanzen, die man im Herbst im Garten einsäen kann, muss man zwischen abfrierenden und winterfesten Arten unterscheiden. Letztere bieten einen besseren Schutz vor Erosion, haben aber den Nachteil, dass sie im Frühjahr mühevoller zu entfernen sind. Außerdem werden sie mit den Wurzeln gerodet. Somit bleibt nicht so viel organische Masse im Beet und muss erst wieder arbeitsaufwendig über den Komposthaufen dem Boden zugeführt werden.
Eine besondere Bedeutung kommt den Schmetterlingsblütlern zu, denn sie sammeln Stickstoff in den Boden, der der nachfolgenden Hauptkultur zugute kommt. Aus dieser Pflanzenfamilie eignen sich der Perserklee, die Sommerwicke und die Lupinen für den Anbau im Garten. Sie haben eine Pfahlwurzel, die die Erde tief erschließt und frieren alle drei im Winter ab.
Der Gelbsenf wird gerne als Gründüngung genommen, da er aber zur Familie der Kreuzblütler gehört, die mit einer ganzen Anzahl von Arten auch unter den Gemüsen zu finden sind, kann er Krankheiten dieser Pflanzen wie die gefürchtete Kohlhernie übertragen. Man muss also, wenn man den Senf anbauen will, dafür sorgen, dass mindestens zwei Jahre kein Kohl, Rettich, Radieschen oder Kohlrabi, um nur die wichtigsten Kreuzblütler zu nennen, auf das Beet kommen.
Mit der blau blühenden Phacelia hat man diese Sorgen nicht. Sie ist mit keiner anderen Kulturpflanze verwandt. Ihre feinen Blätter und Stängel zersetzen sich rasch und hindern nicht bei der Bestellung von Folgesaaten. Der Boden wird gut aufgeschlossen und bei entsprechend früher Aussaat zeigt sie ihre blauen Blüten, die auch gerne von Bienen besucht werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Buchweizen: Er ist nicht mit den gebräuchlichen Gartenpflanzen verwandt und erreicht bei dichter Aussaat schnell eine undurchdringliche Grünmasse, die es anderen Gewächsen unmöglich macht zu keimen. Im Winter friert er sicher ab.

Gründung im Garten
Will man eine längerfristige Begrünung erreichen, um zum Beispiel erschöpften Beeten eine Ruhepause zu ermöglichen, so kann man einjähriges Weidelgras oder Winterroggen aussäen, bei denen das Gras in strengen Wintern abfriert, in milden Wintern, genau wie der Roggen, stehen bleibt.
Die Gründüngung wird breitwürfig ausgesät, eingeharkt und einmal angegossen. Dann sollten die natürlichen Niederschläge für gutes Wachstum ausreichend sein. Im nächsten Frühjahr findet man unter der Pflanzendecke einen Boden vor, der eine hervorragende Krümelstruktur besitzt, tief gelockert ist und eine ausgeglichene Nährstoffbilanz aufweisen kann.

Phacelia mit Buchweizen

 

Phacelia, eine gute Bienenweide

Phacelia mit Biene

Die Blüte ist nur noch spärlich im Herbst

Gründüngung im Herbst



Längst hat der Komposthaufen in vielen Gärten einen festen Platz gefunden. Die Anschauung darüber wie er angelegt und gepflegt wird und was kompostiert werden kann, ist allerdings recht unterschiedlich. Betrachtet man ihn nur als einen Ort, auf den wahllos alles kommt was gerade an Garten- oder Küchenabfällen vorhanden ist, wird das Resultat mit Sicherheit ein anderes sein, als dort, wo ein Gärtner um die Lebensprozesse weiß, die bei der Verrottung in Gang kommen.

Unzählige Mengen von Bakterien, Spaltpilzen und anderen Kleinstlebewesen – pro Kubikzentimeter Komposterde sind es mehrere Millionen – sorgen dafür, dass sich die organischen Substanzen zersetzen. Um für ihre Tätigkeit das geeignete Milieu zu schaffen, sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:
1. Die Zusammensetzung des Kompostmaterials muss so beschaffen sein, dass das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff, also grober Bestandteile zu frischem, feinen Grün oder tierischem Mist, ungefähr 20:1 beträgt. Dies ist der Fall, wenn etwa gleiche Mengen Gemüsereste, Laub, Rasenschnitt, beim Jäten angefallene Kräuter, Strauchhäcksel und Mist gut miteinander vermischt werden. Überwiegen die Kohlenstoffanteile wie bei Sägemehl und Stroh, gibt man stickstoffhaltiges Horn- oder Blutmehl dazu, damit die Verrottung in Gang kommt.
2. Ein Kompost soll möglichst locker aufgesetzt sein, damit genügend Luftsauerstoff für die Mikroorganismen zur Verfügung steht.
3. Ausreichende Feuchtigkeit ist ganz entscheidend für den richtigen Rotteverlauf. Ist das Material zu trocken, kann es schimmeln oder zersetzt sich gar nicht, ist es zu nass, fängt es an zu faulen. Dann treten Bakterien in Tätigkeit, die auch ohne Luft leben können und als Stoffwechselprodukte so unangenehm riechende Substanzen wie Schwefelwasserstoff und Buttersäure absondern. Frischen Rasenschnitt sollte man daher möglichst 2 – 3 Stunden in der Sonne antrocknen lassen, das herbstliche Laub dagegen, am besten erst nach einem Regentag aufkehren.
4. Um unnötige Wärmeverluste zu vermeiden, sollte der Haufen immer mit einer dünnen Erdschicht bedeckt werden. Als zusätzlichen Schutz können auch Stroh, Gras oder Laub Verwendung finden.

Kompostanlage in einem kleinen Garten

Kompostanlage in einem kleinen Garten

Bei einem neu aufgesetzten Haufen, beginnt als erstes die Abbauphase, während der sich der Kompost ziemlich rasch erwärmt und die mit einer deutlichen Reduzierung des Volumens einhergeht. Dabei wird der Kompost immer mehr von Kleintieren wie Asseln, Springschwänzen und Tausendfüßlern besiedelt, die die übrig gebliebenen Pflanzenreste zerkleinern. Dann folgt die Aufbauphase und vor allem den Regenwürmern ist es zu verdanken, dass die organischen und mineralischen Bestandteile zu Humus verwandelt werden. Nach etwa einem halben bis dreiviertel Jahr ist der Prozess abgeschlossen und eine angenehm nach Waldboden duftende Erde entstanden, die eine lockere, feinkrümelige Struktur aufweist.
Den Komposthaufen kann man als das „Verdauungsorgan“ des Gartens ansehen, das Abfälle aufnimmt und ganz neuen fruchtbaren Humus hervorbringt, wenn man nur ein wenig Sorgfalt aufwendet.

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